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IM GESPRÄCH MIT

Nach hartem Kampf auf dem Weg zum Grand Slam

Als Tennisprofi hat die Designerin Anne Dickhardt schon früh in ihrem Leben die Erfahrung gemacht, auf sich allein gestellt zu sein. Disziplin, Durchhaltevermögen und die Fähigkeit aus jedem Tief erneut aufzusteigen, gehörten mit zum täglichen Training. Dass durch eine Schulterverletzung ausgelöste Ende ihrer Tenniskarriere war für sie daher ein Wink vom Schicksal, denn bei all ihren Reisen ging ihr eines nicht mehr aus dem Kopf: Der Traum von der perfekten Tasche, die zu ihrem Dauerbegleiter würde.

Als Profitennisspielerin war Anne Dickhardt viel unterwegs und es gelang ihr nie, die berühmt berüchtigten „Daily essentials der Frau“ in einer Tasche unterzubringen. So entstand der Traum einer Tasche, die alle Paradigmen erfüllt. Im Grunde hat sich das Leben von ANY DI, ihr Spitzname seit frühester Kindheit und heutiger Markenname, auch in ihrem neuen Terrain als Gestalterin und Produktmanagerin seither nicht wesentlich verändert. Im ersten Quartal diesen Jahres hat die Designerin bereits zehn Messen, darunter die Opti, die mido, die Vision Expo East in New York und die Preta`-Porter in Paris, besucht. „Das war wirklich ein kleiner Messemarathon, den wir da hingelegt haben. Alles in Allem aber sehr erfolgreich. Und wir haben tolle neue Märkte erschlossen“, sagt die gebürtige Marburgerin sichtbar begeistert. Wie ein Label, das gerade mal zweieinhalb Jahre zählt, das angestellt hat, macht neugierig.

Anne Dickhardt ließ bereits als Tennisprofi ein Gedanke nicht mehr los: Eine Tasche, die für jede Lebenslage geschaffen ist. „Nachdem mein Traum vom Tennisprofi 2005 platzte, habe ich überlegt, wo ich studieren kann, um die Idee meiner Tasche zu verwirklichen“, sagt sie. Als klassische Designerin sieht sie sich nicht. „Ich bin kreativ, aber auch ein Zahlenmensch.“ 2006 entscheidet sie sich daher für ein Studium an der Akademie für Mode und Design in München und wählt den Bereich Modemanagement, das zu 70 % den Bereich Betriebswirtschaft und zu 30 % den Bereich Kreativität und Mode abdeckt. Ihre Diplomarbeit schreibt sie über diese eine Tasche, die einerseits funktional ist, aber dennoch über eine extrem hohe Qualität verfügt und nichts an Stil und Komfort einbüßt.

Never give up on a dream
"Nach dem Studium wusste ich erst einmal nicht, wie ich das alles hinbekommen sollte. Ich hatte noch nicht viel Erfahrung in Vertrieb, Marketing und Produktion“, zieht sie heute Bilanz. Daher war es für sie schlüssig, erst einmal in verschiedenen Bereichen des Vertriebs und des Produktmanagements zu arbeiten. 2007 folgten berufliche Stationen in New York und München. 2011 arbeitete sie als Produkt-Design-Managerin in der Fashion Eyewear und sammelte so ihre ersten Erfahrungen in der Augenoptik.
„Nach drei Jahren legte sich dann ein Schalter in meinem Kopf um. Es war für mich plötzlich glasklar, dass ich wieder zu meiner Vision zurückkehren muss“, sagt sie. Und wie so oft, wurde diese Erkenntnis von einem einschneidenden Ereignis in ihrem Leben, dem Tod ihrer Großmutter, geprägt.
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Ihre ersten Recherchen zum Thema Tasche führten sie auf die Taschenmesse nach Italien, wo sie erstmals ein Gefühl dafür bekam, was man braucht und was man für die Umsetzung investieren muss. Als Produktionsstandort findet sie nach langem Suchen schließlich ihr Glück in einer Zusammenarbeit mit einer chinesischen Produktionsstätte.
„Als der Prototyp fertig war, habe ich alle Freunde nachhause bestellt und einfach mal gefragt, was sie davon halten“ , beschreibt sie ihre ersten Versuche als Designerin.
Die Reaktionen waren total positiv. Und die gute Resonance beflügelte ihr Designerherz und so entstand im gleichen Zug das Sun-Cover, das zum heutigen Signature-Piece der Marke wurde. Eine Brillentasche, in der sich jede Form und Größe an Brille unterbringen lässt. Mitte 2014 stand dann auch die konkrete Idee ihrer Tasche. Am Ende des gleichen Jahres fasst sie ihren ganzen Mut zusammen und lässt die ersten hundert Taschen und hundert Accessoires in China fertigen. „Da hatte ich aber noch keine einzige Bestellung in Aussicht“, sagt sie sichtbar amüsiert. Sie hatte aber bereits einen Multibrandstore ins Auge gefasst, der in Schwabing ansässig ist und träumte davon, dass ihre Tasche irgendwann mal genau in diesem Laden steht würde. Und so fasste sie ihren ganzen Mut zusammen und wurde vorstellig. „Die Inhaberin wollte mich sofort wieder rausschicken. Doch ich hab’ nicht locker gelassen und ihr gesagt: „Sie müssen mir fünf Minuten geben, weil das, was ich hier in Händen halte keine Tasche, sondern ein Gesamtkonzept ist. Am Ende unseres Gesprächs hat sie die gesamte Kollektion gekauft“, erzählt sie.
ANYthing is possible Danach folgte die Berlin Fashionweek, die sie dank eines Designerzuschusses der Messe besuchen konnte. Der dritte Kunde war die Galerie Lafayette und der Dame, die damals für den Einkauf verantwortlich zeichnete, sah man es nicht sofort an, dass sie für das Pariser Kaufhaus arbeitete. „Drei Monate später stand meine Tasche in der Galerie Lafayette neben Prada und Gucci“, sagt sie stolz.
Das Label ANY DI hat mittlerweile zwei Standbeine. Da ist zum einen die Taschenkollektion und das Suncover, ein Brillenetui, das Anne Dickhardt 2014 noch vor seiner Lancierung in über dreißig Ländern patentieren lässt. 2017 folgte eine weitere Reise, um wirklich sicherzustellen, dass dieses in allen Ländern geschützt ist. Das Suncover ist mittlerweile ein Verkaufsschlager, weil es genau abdeckt, wovon viele Frauen geträumt haben: Ein stylisches Accessoire, mit dem sich jede Brille, ob groß oder klein, im Handumdrehen in Sicht- und Greifweite verstauen lässt, ohne im Off der Tasche unterzugehen.
2016 ist ANY DI erstmals auf der opti in München mit einem Stand von anderthalb Quadratmetern präsent. Eine winzige Standfläche direkt neben dem Stand von Luxottica, wo üblicherweise kein Platz zum Stehen ist. „Da kam niemand mehr durch. Und mir wurde klar, dass der Augenoptiker richtig Freude an diesem Produkt hat“, sagt sie. Und es ist ein tolles Ergänzungsprodukt, das sich teilweise preislich auf dem gleichen Niveau mit seinen Brillen befindet.
In diesem Jahr ist Anne Dickhardt von der opti zur mido, dann nach Kopenhagen und schließlich noch zur Vision Expo East in New York, die ein riesen Erfolg war, mit ihrem Team gereist. „Wir haben an drei Tagen über dreißig neue Kunden aus den USA gewonnen“, berichtet sie. Weltweit ist das Label mittlerweile in 600 Stores vertreten. Warum das so ist, lässt sich unschwer am Produkt erkennen. Hier stimmt jede Naht, es gibt keine Klebereste und alle Metallelemente werden in japanischen Werkstätten goldplattiniert. „Die Qualität spricht für sich. Ich verkaufe in erster Linie ein Produkt, das überzeugen muss und weniger eine Marke“, sagt sie. Für Anne Dickhardt gibt es genügende Verkaufsargumente zum Endverbraucher, ohne dass man über die Marke sprechen muss. Damit liegt die Designerin auf einer Wellenlänge mit jenen Gestaltern dieser Tage, die für Qualität, Güte und Glaubwürdigkeit stehen.
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ANY DI Color set
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